Zum vorherigen AbschnittZum nächsten Abschnitt Vom Ur-BASIC zum ersten Visual Basic
Visual Basic, einer der bekanntesten und beliebtisten Programmiersprachen der Welt. Visual Basic übertrumft andere Programmiersprachen beim Erstellen von Windows Anwendungen. Mit keiner anderer Sprache kann man so einfach per Mausklick ansprechende grafische Windowsoberflächen erstellen. Doch zum heutigen Visual Basic von Microso ft war es ein langer Weg. Man bedenke, dass Ur-Basic schon seit der 60-er Jahren gibt.

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1963 befaßten sich Thomas E. Kurtz und John Kemeny am Dartmouth College mit dem Problem, daß man Nicht-Technik-Studenten die Arbeit am Computer näherbringen wollte, damit diese später in der Wirtschaft ein grundsätzliches Verständnis besitzen. Man wollte dies einerseits nicht über Vorlesungen realisieren, andererseits aber auch diesen Personenkreis nicht dazu bringen, sich mit Assemblersprachen, Fortran oder Algol auseinanderzusetzen, da sie sich dort mit zu vielen Details der Programmierung befassen müssen.
Man ging dazu über, eine eigene Sprache zu entwickeln, die speziell auf die Bedürfnisse abgestimmt sein sollte – die Geburtsstunde von BASIC. Weiter plante man, die Studenten nicht einem reinen Programmierkurs auszusetzen, sondern die Programmierung und die Arbeit am Computer im Rahmen von anderen Lehrveranstaltungen einzusetzen.
BASIC wurde klarerweise von anderen, schon vorher existierenden Programmiersprachen und deren Konzepten beeinflußt. Zu diesen Sprachen zählten unter anderem FORTRAN (davon stammen z.B. die Schlüsselwörter FOR und STEP), ALGOL und das assemblernahe DARCISMO.
Eine interessante Ähnlichkeit zu Assembler-Programmen (DARCISMO) hat das Befehlsformat von BASIC: Befehlsnummer, Befehl, Operand. Dies ist auch im ersten jemals veröffentlichten BASIC-Programm ersichtlich:

 Befehlsnummer   Befehl   Operand 
 10   LET   X = (7+8) / 3 
 20   PRINT   X 
 30   END    

BASIC wurde von anfang an als Compiler-Sprache entwickelt. Dartmouth-BASIC führte auch keine Fehlerüberprüfung bei der zeilenweise Eingabe durch, sondern wies auf Fehler erst beim Compilieren hin - also erst nach der Benutzer-Aufforderung zum Start des Programmes.

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BASIC, First Edition (1964)
Die erste BASIC-Version, die in Dartmouth entwickelt wurde, ist ähnlich dem "American National Standard Minimal BASIC" (ANSI, 1978). Diese Version enthielt bereits den Standard-BASIC-Sprachumfang, bestehend aus den folgenden Anweisungen:
LET, PRINT, END, FOR, NEXT, GOTO, IF THEN, DEF, READ, DATA, DIM, GOSUB, RETURN, REM.
Zusätzlich gab es noch einige Funktionen mathematischer Art, wie die Winkelfunktionen (SIN, COS, TAN), EXP, SQR und andere, wie z.B. RND zum Erzeugen von Zufallszahlen. Was zu diesem Zeitpunkt bemerkenswerterweise noch fehlte, war der Befehl INPUT oder etwas Vergleichbares, d.h. Benutzerinteraktion war noch nicht vorgesehen!
Ebenfalls ein typisches Kennzeichen für BASIC sind die kurzen Variablennamen (bestehend aus einem Buchstaben oder einem Buchstaben gefolgt von einer Ziffer), die hier eingeführt wurden. Dafür gab es zwei Gründe: Erstens einen implementierungstechnischen, nämlich die schnelle Suche in der Symboltabelle, und zweitens die Tatsache, daß der Quelltext dann in weiten Teilen unabhängig von Leerzeichen wird. Letzteres bedeutet z.B., daß statt FOR I = 1 TO N STEP 2 auch FOR I = 1 TO NSTEP2 geschrieben werden kann, weil auch dies korrekt erkannt wird.
In dieser Ursprungsversion waren nur numerische Variablen möglich. Es wurde bewußt auf eine Unterscheidung zwischen Integer- und Fließkomma-Zahl verzichtet, da man in Hinsicht auf die Zielgruppe ausging, daß beides zusammengenommen einfach als "Zahlen" zu betrachten waren. Daher war kein Bedarf für das Typisieren von Variablen da.

BASIC, Second Edition (1964)
Die Folgeversion der Ursprungsausgabe erschien nur 5 Monate später und enthielt zwei wichtige Neuerungen, die vorher noch nicht enthalten waren:
Die eine war, daß beim Argument des PRINT-Befehles nun das Semikolon (";") als spezielles Trennzeichen benutzt werden durfte, welches numerischer Ausgabe nur mehr den wirklich benötigten Platz reservierte.
Die andere Änderung betraf den Startindex von Arrays: Hier war nun 0 erlaubt, um z.B. Koeffizienten in der gewohnten Weise repräsentieren zu können.

BASIC, Third Edition (1966)
In dieser Fassung, die 15 Monate nach der zweiten erschien, wurde erstmals der INPUT-Befehl eingeführt, der während der Eingabe Daten vom Terminal einlesen konnte, womit BASIC nun interaktiv wurde.

BASIC, Fourth Edition (1967)
Diese Version war ursprünglich eine Experimentalfassung von BASIC für den GE-635-Rechner von General Electric. Die Software für diesen Rechner wurde in Kooperation zwischen GE und Dartmouth erstellt: GE schrieb das Betriebssystem, Dartmouth die Compiler und Editoren. GE, die selbst einen BASIC-Dialekt namens MARK I BASIC entwickelten, trugen hier auch durch Vorschläge zum Sprachdesign bei, speziell in Sachen Strings und Files.
Die Zufallszahlenerzeugung wurde hier erweitert: Das vorher verbindliche Dummy-Argument für RND wurde entfernt, und einer neuer Befehl RANDOMIZE generierte einen Startpunkt für eine durch RND ausgelesene Zufallszahlensequenz.
Die Verzweigungsanweisung ON-GOTO wurde als Ergänzung zu IF-THEN hinzugefügt; um die Ähnlichkeit zu IF-THEN zu erhöhen, wurden auch die Variationen IF-GOTO und ON-THEN zugelassen.
Die neue TAB-Funktion diente zum Anspringen einer bestimmten Spalte bei der Ausgabe, Mehrfachzuweisungen bei LET waren erlaubt, und BASIC initialisierte nun alle Variablen mit 0.
Eine große Änderung war die Hinzufügung von Strings und eindimensionalen String-Arrays mit zugehörigen relationalen Operatoren. Der DATA-Befehl erlaubte nun String-Konstanten ohne Anführungszeichen; String-Daten und numerische Daten wurden allerdings in separaten Speicherbereichen abgelegt.

BASIC, Fifth Edition (1969)
Diese Version von BASIC war die erste, die auf einem Betriebssystem namens DTSS, das auf Dateien mit wahlfreiem Zugriff aufbaute, lief. Die wichtigste Änderung in BASIC war folglich die Hinzunahme von Dateien und den dazugehörigen Befehlen. Es gab sowohl sequentielle Dateien als auch welche mit wahlfreiem Zugriff ("Random Access Files"). Wichtige Anweisungen waren FILES und FILE für die Spezifikation, PRINT und INPUT für die Ein-/Ausgabe auf sequentielle Dateien, READ und WRITE für die Ein-/Ausgabe auf Random Access Files. Zwei neue Möglichkeiten zur Programmsegmentierung wurden eingebaut; ähnliche Features gab es auch im von General Electric entwickelten MARK I BASIC.
Die erste war der CHAIN-Befehl, der die Ausführung eines anderen Programmes auslöste und somit beliebige Systemstrukturen zuließ, dafür aber relativ ineffizient war.
Die zweite Neuerung in diesem Bereich waren die sogenannten "Unterprogramme" (Subprograms), also Programmteile mit separaten, unabhängigen Zeilennummern, die über Referenznummern angesprochen wurden. Diese hatten allerdings keine lokalen Variablen; es gab nur ein globales Speichersegment für Variablen. Besagte "Unterprogramme" wurden allerdings später als "schlechte Idee" angesehen, was für heutige VB-Programmier unerklärlich ist.

BASIC, Sixth Edition (1971)
Diese Fassung wurde mit viel Sorgfalt vorbereitet; es wurden vorab Spezifikationen erstellt, es gab eine intensive Testphase, und es wurde erstmals das zugehörige Handbuch vor der offiziellen Veröffentlichung des Systems fertiggestellt. Diese BASIC-Fassung gilt als das best-entworfene und stabilste Software-System, das jemals in Dartmouth entwickelt wurde.
Die "Sixth Edition" des Dartmouth-BASIC-Projektes zählt war im engeren Sinn nicht mehr zur "Urgeschichte" von BASIC, ist aber die Kulmination des Projektes und wurde nach 1971 einige Jahre kaum verändert eingesetzt.
In dieser Version wurde das im Vorgänger einführte "Subprograms"-Feature wieder entfernt und durch eine neues Konzept ersetzt. Darin hatten Unterprogramme nur mehr über den Aufruf Verbindung mit dem rufenden Programm; die zugehörigen Befehle lauteten CALL (für den Aufruf) und SUB/SUBEND (der "Rahmen" des Unterprogrammes). Es gab keinen syntaktischen Unterschied zwischen Eingabe- und Ausgabe-Parametern, Anzahl und Typ der Parameter wurden beim Aufruf überprüft, und globale Variablen waren nicht möglich.
Eine weitere große Änderung betraf den Umgang mit Dateien. Die FILES-Anweisung wurde entfernt, und der FILE-Befehl wurde verbessert und durch neue Funktionen (zum Feststellen der Existenz und der erlaubten Operationen einer Datei) ergänzt, um das Abfangen von ungültigen Aufrufen (z.B. nicht existierende Dateien) zu ermöglichen.
Auch die String-Verwaltung wurde durch neue Funktionen ergänzt. SEG$ stellte Teilstrings zur Verfügung, "&" erlaubte String-Konkatenation, und POS lokalisierte einen Teilstring in einem gegebenen String. Dies erlaubte das Konstruieren eines beliebigen Strings durch Kombinationen der oben angegebenen Funktionen.

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Robert Albrecht und Tiny-BASIC
Die für den weiteren Erfolg von BASIC in den 70er Jahren wichtigste Person ist sicherlich Robert L. Albrecht. Er war ein in Minneapolis ansässiger Programmierer, der bereits in der zweiten Hälfte der 60er Jahre BASIC "entdeckte" und sich zu einem der größten Verfechter der Sprache entwickelte. Beispielsweise gründete er bereits damals eine "Gesellschaft zur Abschaffung der FORTRAN-Schulung" und eine Kampagne, die sich für BASIC als Lehrsprache für höhere Schulen einsetzte. Das größte Anliegen von Bob Albrecht und seinem Team war, über BASIC jedermann die Möglichkeiten des Computers zugänglich zu machen.
Albrecht gründete Anfang der 70er Jahre den Verlag "Dymax", der eine Reihe von BASIC-Lehrbüchern veröffentlichte (darunter auch eines von ihm selbst), und ein "Computerzentrum für jedermann", daß einen PDP-8-Minicomputer von DEC und eine telefonische Verbindung zu einem Großrechner bei Hewlett-Packard besaß. Letzteres stellte HP seine Terminals und die Möglichkeiten, Privatpersonen sowie auch Geschäftsleuten zu geringen Gebühren zur Verfügung und bot auch BASIC-Schulungen an. Weiter publizierte Albrecht eine zweitmonatlich erscheinende Computerzeitschrift namens "People´s Computer Company Magazin".
Die von Albrecht schon länger vorhergesehene Revolution bei Kleincomputern begann 1975 mit dem "Altair 8800" und seinen Nachfolgemodellen. Bob Albrecht entwickelte gemeinsam mit Dennis Allison ein Konzept einer BASIC-Variante für den Altair, die den Namen "Tiny-BASIC" tragen sollte. Mangels Zeit zur Entwicklung forderten sie die Abonnenten von "People´s Computer Company" auf, einen Interpreter dafür zu schreiben. Die erste Rückmeldung in Form einer Rohfassung einer Tiny-BASIC-Implementierung kam Ende 1975 und wurde sofort an interessierte Leser weitergeleitet. In Folge trafen noch andere Versionen von Tiny-BASIC ein.
Da Tiny-BASIC sich immer größerer Beliebtheit erfreute, brachten Albrecht und Allison eine (anfangs) ausschließlich Tiny-BASIC gewidmete Zeitschrift heraus, das etwas eigenartig benannte "Dr. Dobb´s Journal of Computer Calisthenics & Orthodontia: Running Light without Overbyte" ("Dobb" entstand hierbei aus den beiden Vornamen "Dennis" und "Bob"). In dieser Zeitschrift wurden weitere Versionen von Tiny-BASIC veröffentlicht und damit zur allgemeinen, kostenfreien Verwendung freigegeben.

Bill Gates, Altair-BASIC und dessen Weiterentwicklung
Ungefährt zur selben Zeit, als Robert Albrecht sein "Tiny-BASIC"-Projejkt startete, nämlich im Frühjahr 1975, entwickelten der Harvard-Student Bill Gates und sein Freund Paul Allen eine BASIC-Version für den Altair namens "Altair-BASIC". Dies wurde zu einem relativ hohen Preis vom Hersteller des Altair, der Firma MITS, vertrieben; Gates und Allen erhielten dabei eine Lizenzgebühr pro Kopie.
Ende der 70er Jahre endete die Geschichte von Altair und Tiny-BASIC durch die auf dem Markt auftauchenden "modernen" Mikrocomputer, für die eine Vielzahl von BASIC-Dialekten entwickelt wurde. Als populärste Version erwies sich schon bald MBASIC, ein direkter Nachfolger von Altair-BASIC, das Gates und Allen zum Start der "Microsoft Corporation" verholfen hatte. MBASIC wurde Anfang der 80er Jahre zu "GW-BASIC" weiterentwickelt, das zum Standard-BASIC-Dialekt für IBM-kompatible PCs heranwuchs.

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Die Vielfalt und ihre Probleme
Durch das Entstehen einer Vielzahl von BASIC-Dialekten für die verschiedensten Plattformen und Mikrocomputer zu Beginn der 80er Jahre wurde der phänomenale Erfolg von BASIC etwas getrübt. Da die Kapazitäten der zur Verfügung stehenden Mikrocomputer noch sehr beschränkt war, mußte man oft Kompromisse im Design machen. Viele dieser oft sehr unglücklichen Kompromisse wurden aus Kompatibilitätsgründen auch in Folgeversionen beibehalten, obwohl die ausschlaggebenden Gründe in der Zwischenzeit nicht mehr vorhanden waren. Zu den bekanntesten Mikrocomputer-Plattformen mit BASIC-Dialekten zählten:
Auswirkungen dieser Vielfalt waren unter anderem die geringe Portierbarkeit von BASIC-Programmen von einer Plattform auf eine andere und das notwendige Umlernen beim Umstieg auf ein anderes System. Ein weiteres auftauchendes Problem war die Abkehr vieler Bildungseinrichtungen von BASIC als Lehrsprache; dies lag hauptsächlich an den nicht vorhandenen Konzepten zur strukuturierten Programmierung. In diesem Zusammenhang sprach man bei BASIC-Code mit starkem Einsatz des GOTO-Sprungbefehles von "Spaghetti-Code"; dieser Begriff hält sich als Vorurteil gegenüber der Sprache BASIC bis heute. Eine neue, beliebte Lehrsprache war die streng strukturierte Programmiersprache "Pascal" von Niklaus Wirth.

Die "Väter" von BASIC schlagen zurück: True-BASIC
Anfang der 80er Jahre waren die Entwickler des Ursprungs-BASIC am Dartmouth College, John Kemeny und Thomas Kurtz, alles andere als glücklich mit der Entwicklung ihrer Sprache über die letzten Jahre hinweg. Durch bereits zu Beginn erfolgte Freigabe ihrer Sprache an die Allgemeinheit besaßen sie keinen direkten Einfluß mehr auf die Weiterentwicklung von BASIC. Sie waren natürlich außerordentlich stolz auf die entscheidende Rolle von BASIC in der Öffnung der Computerwelt für die Massen, verfolgten allerdings das Entstehen der vielen spezifischen Dialekte mit den jeweiligen Kompromissen und Abwandlungen mit Bestürzung.
Um einen neuen BASIC-Standard zu schaffen und damit der entstehenden Vielfalt an BASIC-Dialekte entgegenzuwirken, entwickelten Kemeny und Kurtz im Jahre 1984 eine Mikrocomputer-Version von BASIC, die sich am bereits 1978 festgelegten ANSI-Standard für BASIC orientierte. Sie überarbeiteten aber auch das Konzept der Sprache und ließen Prinzipien der strukturierten Programmierung miteinfließen. Außerdem verwendeten sie eine Kombination von Interpreter und Compiler zur Übersetzung der Programme in Maschinensprache und legten großen Wert auf die leichte Portierbarkeit der BASIC-Programme. Diese neue, definitive Version ihrer 20 Jahre alten Sprache tauften sie bezeichnenderweise "True-BASIC", was soviel wie heisst "Richtig-Basic".

Der Einfluß der Umstrukturierung der Sprache BASIC und der Öffnung für Konzepte der strukturierten Programmierung zeigt sich auch in den BASIC-Dialekten der späten 80er Jahre, wie z.B. in "Microsoft QuickBASIC" und in der "TurboBASIC"/"PowerBASIC"-Reihe.

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Microsoft: GW-BASIC, QuickBASIC, QBASIC

MS-DOS

Der zweite große Durchbruch der Firma Microsoft nach dem Erfolg von MBASIC (siehe Kapitel 3.3.2) war der Auftrag, für IBMs neue "Personal Computer"-Reihe im Jahre 1980/81 ein entsprechendes Betriebssystem zu entwickeln. Dieses wurde "MS-DOS" (MicroSoft Disk Operating System) getauft und war ein kommandozeilen-orientiertes System, das anfangs nur mit Diskettenlaufwerken arbeiten konnte. Der durchschlagende Erfolg des IBM-PCs garantierte auch die Weiterentwicklung von MS-DOS in den Folgejahren. Obwohl es kommandozeilen-orientiert blieb, wurde es an vielen Stellen erweitert; von der Unterstützung verschiedener Grafikkarten bis hin zur Unterstützung von Festplatten. Bekannte und vielverwendete späte MS-DOS-Versionen waren 3.21 bzw. 3.3 (1987/88) und MS-DOS 6.2 (1993), die auch als Grundlage für Microsofts graphische Benutzeroberfläche "Windows" dienten.

GW-BASIC

"GW-BASIC" war ein im Lieferumfang von MS-DOS bis Version 4.x enthaltener BASIC-Interpreter, der sich zwar weitgehend am ANSI-Standard orientierte, aber auch vielerlei Erweiterungen in Sachen Grafik oder Dateiverwaltung beinhaltete. Weitgehend zeilenorientiert (und GOTO-lastig) und ohne Konzepte zur strukturierten Programmierung (also noch unbeeinflußt von "True-BASIC"), etablierte sich GW-BASIC als Einsteiger- und Lehrsprache am PC-Sektor, drang aber niemals in den Bereich der semi-professionellen oder gar professionellen Software-Entwicklung vor.

QuickBASIC

Quasi als semiprofessionelles Schwesterprodukt zu GW-BASIC wurde die "QuickBASIC"-Linie ca. von 1985 bis 1989 von Microsoft forciert. QuickBASIC stellte eine komplette Abwendung von der gewohnten GW-BASIC-Philosophie dar. Zeilennummern waren nur mehr optional, es gab etliche Konstrukte zur strukturierten Programmierung, viele neue BASIC-Befehle und Debugging-Möglichkeiten. Der wichtigste Unterschied war aber, daß QuickBASIC als eine auf einem Compiler aufbauende Entwicklungsumgebung, die "stand-alone"-ausführbare Programme (EXE-Dateien) erzeugen konnte, konzipiert war und damit Software-Entwicklungssystemen wie Borlands "Turbo-Pascal" näher stand als dem althergebrachten GW-BASIC. Dies drückte sich auch im Preis aus: Im Gegensatz zu GW-BASIC wurde es nicht als Gratis-Beigabe von MS-DOS vertrieben, sondern als käufliches Produkt auf dem Preisniveau der Konkurrenz-Produkte "Turbo-Pascal" und "Turbo-C". Trotz des neuen Konzeptes war der QuickBASIC-Compiler jedoch fast vollständig abwärtskompatibel zu GW-BASIC. 1989 erschien die letzte Version von QuickBASIC, 4.5; seither entwickelt Microsoft nur mehr die Visual-BASIC-Serie für Windows weiter, welche den endgültigen Durchbruch für BASIC schaffte.

Parallel entwickelte Microsoft auch für den professionellen Markt: Die Linie "MS-BASIC Professional Development System" hatte wesentlich mehr Zusatzprogramme und Bibliotheken im Lieferumfang als das kleine Schwesterprodukt QuickBASIC, lag dafür aber auch in Sachen Kaufpreis auf einem "professionellen" Niveau.
Microsoft ging bei seiner Produktpalette sogar noch einige Schritte weiter: Im Laufe der 80er Jahre baute die Firma die "Quick"- und "PDS"-Linien auf mehrere Sprachen aus, von "Quick-C" und "Quick-Pascal" bis hin zu "MS-C PDS", "MS-Pascal PDS", "MS-Fortran PDS" und "MS-Cobol PDS".

QBASIC

Um das althergebrachte GW-BASIC endgültig abzulösen, lieferte Microsoft ab MS-DOS Version 5.0 ein neues BASIC-System aus, nämlich die Entwicklungsumgebung QBASIC. Dies war im Prinzip ein "QuickBASIC Light", basierte also auf QuickBASIC, wurde aber vom Sprachumfang her reduziert, auf einen Interpreter aufgesetzt (womit die Erzeugung von Stand-Alone-Programmen verloren ging) und in der Funktionalität eingeschränkt. Microsoft wollte also die Zielgruppe von QBASIC Programmiereinsteiger gewinnen, die bei verstärktem Interesse (bzw. professionelleren Ambitionen) ohne größere Umstiegsprobleme auf das käuflich zu erwerbende Schwesterprodukt QuickBASIC umsteigen konnten. Das Mitliefern von QBASIC wurde aber mit dem Ende des traditionellen MS-DOS eingestellt; seit Windows 95 befindet sich keine Programmierumgebung mehr im Lieferumfang der Microsoft-Betriebssysteme. Auf der NT-Linie wurde QBASIC als kleine Beigabe mit einigen Beispiele installiert. Erst seit Windows 98 wurde der Windows Scripting Host in Windows eingeführt, welcher eine auf Visual Basic basierende Scripte Sprache für Windows und das Internet ist.


Die Konkurrenz: Robert Zales Turbo/PowerBASIC

Turbo-BASIC und PowerBASIC

Parallel zu Microsofts QuickBASIC entwickelte eine zweite Firma einen BASIC-Compiler für den semiprofessionellen Markt, nämlich die für ihre "Turbo"-Programmierumgebungen bekannte Firma Borland. "Turbo-BASIC" sollte zusätzlich zu "Turbo-Pascal" und "Turbo-C" die Serie ergänzen; die Version 1.0 des BASIC-Compilers erschien 1986. Das Produkt war vor allem von der Programmierumgebung her stark an das Schwesterprodukt "Turbo-Pascal" angelehnt. Der Sprachumfang erweiterte prinzipiell den von GW-BASIC und lag damit in der Nähe von QuickBASIC; auch hier existierten also neue Konstrukte zur Unterstützung der strukturierten Programmierung.
1989 machte sich jedoch der Autor von "Turbo-BASIC", Robert S. Zale, selbständig und gründete die Firma "PowerBasic, Inc.", deren zentrales Produkt bis heute der in "PowerBASIC" umbenannte BASIC-Compiler ist. PowerBASIC ist der einzige professionell vertriebene BASIC-Compiler für DOS, der noch aktiv weiterentwickelt wird. Dies ist auch der Grund, warum einige Tutorials existieren, die den Umstieg vom (seit 1989 nicht mehr weiterentwickelten) QuickBASIC auf PowerBASIC erleichtern sollen. Im Laufe der Zeit wurden in den Sprachumfang von PowerBASIC sogar die von der Programmiersprache C her bekannten Konstrukte "Pointer" (Zeigertypen) und "Unions" integriert.

Der Erfolg von Turbo-BASIC und PowerBASIC hielt und hält sich jedoch in Grenzen, obwohl die Produkte viel beworben wurden und auch in einigen eingeschränkten "RunTime"-Probeversionen kursierten. Dies dürfte an der starken und marktdominierenden Konkurrenz in Form von Microsofts QuickBASIC in den Jahren 1986 bis 1990 liegen; dessen Erfolg erstreckte sich mit Hilfe von QBASIC auch in die 90er Jahre hinein. Bis in die frühen 90er Jahre hinein hatte PowerBASIC (bis zur Version 2.x) ein weiteres Manko: Es besaß zwar ein IDE (Integrated Development Environment) mit Pull-Down-Menüs, jedoch ohne Maus-Unterstützung (dies wurde erst in Version 3.0 bereinigt); hier war Microsoft der Konkurrenz in Sachen Benutzerkomfort um Jahre voraus.
Heute (1996-98) setzt PowerBASIC auf einen Sektor der Programmentwicklung, der in der Zwischenzeit (Mitte bis Ende der 90er Jahre) kaum mehr gefragt ist: die Entwicklung für MS-DOS. Damit hat es sich zu einer Programmiersprache für eine spezialisierten Sektor abseits des Massenmarktes entwickelt, in dem es aber (vor allem seit dem in der Zwischenzeit eingestellten Vertrieb von QuickBASIC 4.5) kaum Konkurrenz zu fürchten braucht.

FirstBASIC

Erwähnenswert ist die Veröffentlichung eines von PowerBASIC abgeleiteten, aber eingeschränkten BASIC-Compilers namens "FirstBASIC" als Shareware; dessen Version 1.0 erschien 1996. Obwohl diese Taktik der Microsoft-Taktik in Sachen QBASIC ähnelt, gibt es doch wesentliche Unterschiede:
FirstBASIC ist gegenüber PowerBASIC in einigen für die professionellere Programmentwicklung entscheidenden Dingen eingeschränkt, wie z.B. bei den diversen Speicherkapazitäten für Code, Datenstrukturen, etc. oder in der fehlenden Unterstützung für Zeigertypen. Außerdem enthält die FirstBASIC-Entwicklungsumgebung wieder keine Unterstützung für eine Maus (analog den PowerBASIC-Versionen vor 3.0)!
Die Zielgruppe für FirstBASIC wären wohl ehemalige QBASIC-Programmierer, die einen günstigen neueren BASIC-Dialekt benötigen. Aufgrund der an die Mitte der 80er Jahre erinnernden Benutzeroberfläche ist es allerdings fraglich, ob diese Zielgruppe das Angebot wahrnimmt. Somit bleibt FirstBASIC nicht viel mehr als eine Schnupperversion für seinen großen Bruder PowerBASIC und stellt eigentlich kein eigenständiges Produkt dar.


Quellen: SHADOWare.de, Jürgen Höller
Letzte Änderung: 11.01.2001
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