Zum vorherigen AbschnittZum nächsten Abschnitt Terrorwelle erschüttert die USA und den Rest der Welt
Dieses Datum wird uns sicher noch lange in den Köpfen bleiben und uns verfolgen: Der 11. September 2001. Die gesamte "zivilisierte" Welt ist erschüttert von den verheerenden und unglaublichen Terroranschlägen, die an diesem Tag in den USA in New York und Washington stattgefunden haben. Niemals zuvor sind irgendwo auf der Erde mehr Menschen bei einem Terrorakt umgekommen, als an diesem besagten Dienstag, und die Vereinigten Staaten von Amerika haben nicht nur gespürt, dass auch sie sehr viel verwundbarer sind, als sie bis zu diesem Zeitpunkt dachten; man spricht von einer Veränderung der gesamten Weltpolitik.
Lesen Sie nachfolgend, warum.


Die schrecklichsten Terroranschläge der Geschichte haben am Dienstag die Supermacht USA getroffen und wahrscheinlich Tausende von Menschenleben gekostet. Mit in den USA entführten Passagierflugzeugen brachten die unbekannten Selbstmordattentäter das berühmte New Yorker World Trade Center zum Einsturz. In Washington wurden das Verteidigungsministerium und das Außenministerium mit einem weiteren Flugzeug und einer Autobombe angegriffen. Eine vierte Maschine stürzte bei Pittsburgh ab.

Die Anschläge lösten weltweit Entsetzen und verschärfte Sicherheitsvorkehrungen aus. US-Präsident George W. Bush sprach von einer "nationalen Tragödie". Die Börsen und Finanzmärkte reagierten chaotisch und mit Kursabstürzen auf die Ereignisse. Die wichtigsten Handelsplätze wurden geschlossen.

Zunächst rasten am Morgen (Ortszeit) innerhalb von 18 Minuten zwei Flugzeuge ins World Trade Center in New York. Das Symbol der Finanzmacht USA an der Südspitze Manhattans mit den beiden 110 Stockwerke hohen Zwillingstürmen ging in Rauch und Flammen auf und stürzten etwa eine Stunde später in sich zusammen. Wie viele Menschen die unbekannten Selbstmordattentäter mit in den Tod rissen, war auch viele Stunden später noch unklar. Die Behörden in New York rechneten mit Tausenden von Toten. In Washington stürzte eine weitere Maschine ins Verteidigungsministerium (Pentagon).


Menschen flohen in Panik

Kurz nach den Anschlägen in New York und Washington überschlugen sich die Ereignisse. Die Lage in beiden Städten war völlig chaotisch. Teile des Pentagon stürzten ein, auch im Außenministerium brach Feuer aus. Das Parlamentsgebäude auf dem Kapitol und das Weiße Haus wurden ebenso evakuiert wie das UN-Gebäude in New York, die Börse in Wall Street und alle Flughäfen in den USA geschlossen. CNN berichtete von Massenevakuierungen in New York.

Die Zwillingstürme des World Trade Center, in denen täglich 20 000 Menschen arbeiten, gingen nach den schweren Explosionen in Flammen auf. Hunderte Menschen flohen in Panik aus dem Gebäude. Rund eine Stunde nach den ersten beiden Angriffen auf die Zwillingstürme, die das zweithöchste Gebäude der Welt bilden, ereignete sich im südlichen Turm eine weitere schwere Explosion. Daraufhin stürzte der obere Teil des 411 Meter hohen Gebäudes ein. Nur wenig später fiel auch der zweite Turm in sich zusammen. Unmittelbar nach dem Aufprall der ersten Maschine waren die Gebäude so weit wie möglich evakuiert worden.

Bei einer der beiden Maschinen von New York handelt es sich nach ersten Angaben um eine Boeing 767, die mit 92 Menschen an Bord als Flug Nr. 11 der American Airlines von Boston nach Los Angeles unterwegs war. Auch eine Boeing 747 der selben Fluglinie auf dem Weg von Washington nach Los Angeles mit 64 Menschen an Bord wurde zu den Anschlägen benutzt. Außerdem meldete die US-Fluglinie United Airlines den Verlust von zwei weiteren Passagiermaschinen. Zwei radikale Palästinensergruppen bestritten jede Beteiligung an den Terrorakten. Der Chef der "Demokratischen Front für die Befreiung Palästinas", Kari Abdel Karim, erklärte in Ramallah, die DFLP habe mit dem Attentat "absolut nichts zu tun". Zuvor hatte der TV-Sender von Abu Dhabi gemeldet, ein angebliches Mitglied der DFLP habe sich im Namen seiner Organisation telefonisch zu dem Anschlag bekannt.

Ein hochrangiger Vertreter der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) erklärte im arabischen Nachrichtensender ANN, auch seine Organisation habe nichts mit den Terrorakten zu tun. Zahlreiche Palästinensern in den Flüchtlingscamps in Südlibanon und in Beirut feierten die Terrorserie und feuerten Freudenschüsse in die Luft. Palästinenserpräsident Jassir Arafat verurteilte die Anschläge hingegen "auf das Schärfste".


Schröder berief Bundessicherheitsrat ein

In Deutschland berief Bundeskanzler Gerhard Schröder den Bundessicherheitsrat ein. Der Bundestag brach seine Haushaltsdebatte ab. Im Auswärtigen Amt wurde ein Krisenstab eingerichtet. Bundespräsident Johannes Rau reagierte mit "Entsetzen und großer Erschütterung" auf die Ereignisse in den USA. Die EU, Frankreich, Großbritannien, Russland und viele andere Staaten verurteilten die Terrorangriffe in den USA.

Gerhard Schröder hat die Terroranschläge in den USA als "Kriegserklärung gegen die gesamte zivilisierte Welt" verurteilt. Wer diesen Terror unterstütze, verstoße gegen die Gesetze der zivilisierten Welt, sagte der Bundeskanzler am Dienstag. Deutschland stehe in dieser Situation fest an der Seite der USA. Die Bundesregierung stehe weiterhin in Verbindung mit den europäischen Regierungen und soweit es gehe auch mit der Regierung der USA.

"Die Anteilnahme in aller Welt gilt den Opfern und den Angehörigen der Opfer."


Reaktion der Amerikaner

US-Präsident George W. Bush hat angekündigt, die Verantwortlichen für den Terrorschlag zur Strecke zu bringen. In einer ersten Reaktion sprach er am Dienstag von einem "offenkundigen Terroranschlag auf unser Land". "Wir erleben heute eine nationale Tragödie", so der Präsident in einer Fernsehansprache an die Nation.

Bush kündigte umfassende Untersuchungen an. Die, die für diesen Anschlag verantwortlich seien, würden "gejagt".


Nach den Anschlägen auf das World Trade Center in New York hielt US-Präsident Bush die folgende kurze Ansprache:

"Wir haben heute eine nationale Tragödie erlitten. Zwei Flugzeuge sind in einem offensichtlichen terroristischen Anschlag in das World Trade Center gerast. Ich habe mit dem Vizepräsidenten, dem Gouverneur von New York und dem Direktor des FBI gesprochen, und ich habe angeordnet, dass sämtliche Mittel der Bundesregierung eingesetzt werden, um den Opfern und ihren Familien zu helfen und eine vollständige Untersuchung einzuleiten, diejenigen aufzuspüren, die diese Tat ausgeführt haben. Terrorismus gegen unser Land wird keine Zukunft haben. Und nun bitte ich sie zusammen mit mir zu einer Schweigeminute. Gott segne die Opfer, ihre Familien und Amerika."

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat am Dienstag nach den Terroranschlägen in New York und Washington folgendes Telegramm an US-Präsident George W. Bush gesandt:

"Sehr geehrter Herr Präsident,
mit Entsetzen habe ich von dem verabscheuungswürdigen terroristischen Anschlägen auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington erfahren, bei denen so viele Menschen ihr Leben verloren haben.
Meine Regierung verurteilt diese terroristischen Akte auf das Schärfste. Das deutsche Volk steht in dieser schweren Stunde an der Seite der Vereinigten Staaten von Amerika.
Ich möchte Ihnen und dem amerikanischen Volk mein tief empfundenes Beileid und meine uneingeschränkte Solidarität aussprechen. Unsere Anteilnahme gilt den Opfern und deren Angehörigen.

Gerhard Schröder Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland
"


Flüge weltweit abgesagt

Als Reaktion auf die Anschläge in den USA haben Fluglinien auf der ganzen Welt ihre Flüge dorthin abgesagt, zurückbeordert oder umgeleitet. Auf europäischen Flughäfen kam es dadurch zu massiven Behinderungen. Auch Flüge von Deutschland mit Ziel USA wurden nach der Serie von Anschlägen vorläufig gestoppt. Dies wurde nach Angaben der Deutschen Flugsicherung von der Bundesregierung angeordnet.


Dax nach Anschlägen in USA in freiem Fall

Die deutschen Aktienwerte sind nach den Flugzeugkatastrophen in New York City und Washington D.C. eingebrochen. Der Dax stürzte im freien Fall um mehr als acht Prozent auf 4.247 Punkte und notierte damit auf dem tiefsten Stand seit Oktober 1998. Am Neuen Markt fiel der Nemax50-Index um mehr als fünf Prozent auf ein Rekordtief von 855 Zählern. Händler waren schockiert. "Es ist eine Tragödie, eine Schandtat gegen die Menschheit. Das hat einen Schock am Aktienmarkt ausgelöst", fügte er hinzu. Die Aktien der Lufthansa und Versicherungswerte gerieten deutlich unter Druck.


Analysten erwarten weitere Tiefstände

"Das ist absolut erschreckend, sollte sich bestätigen, dass es sich um einen Anschlag handelt, könnte es böse aussehen", sagte ein Händler. Eine Börsianerin fügte hinzu: "Das ist doch eine Kriegserklärung. Davon ist doch auszugehen, wenn binnnen kurzer Zeit zwei Flugzeuge gezielt in Hochhäuser fliegen."


Langfristig böse Folgen für den Dollar

Nach Ansicht der Händler dürfte die Katastrophe auch auf längere Sicht negative Folgen für den Dollar haben. Von Bedeutung sei, wie US-Präsident George W. Bush auf die offenbar von Terroristen verübten Anschläge reagieren werde. Droht ein Krieg im Nahen Osten, könnte dies die Finanzmärkte tief erschüttern. Auch der Yen profitierte von der Fluchtbewegung aus dem Dollar. Der Dollar fiel bis auf ein Niveau von 119,81 Yen, und lag gegen 16.26 Uhr MESZ bei 120,35/40 Yen.


US-Börsen bleiben geschlossen

Die US-Wertpapiermärkte bleiben nach Angaben der US-Wertpapieraufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) am Dienstag geschlossen. Der Chairman der Behörde, Harvey Pitt, sagte in einer Mitteilung in Washington, die Behörde habe nach der Serie von Anschlägen in Washington und New York beschlossen, den Handel am Dienstag nicht zu eröffnen. Der Handel wird wieder aufgenommen, "sobald es wieder möglich ist", heißt es in der Mitteilung weiter. Die Bundesfinanzaufsicht der USA (CFTC) will nach eigenen Angaben keinen offiziellen Notstand an den US-Finanzmärkten ausrufen. Die meisten US-Aktienmärkte und Futures-Börsen sind bereits geschlossen, teilte die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) mit. "Wir werden keinen Notstand ausrufen, weil es nicht nötig sein wird", sagte ein Sprecher. An der New Yorker Börse befinden sich noch zahlreiche Händler und Mitarbeiter.


Frühere Anschläge

Das World Trade Center war schon im Februar 1993 Ziel eines verheerenden Anschlags. Damals wurden sechs Menschen getötet und mehr als 1000 verletzt. Als Urheber gilt der in den USA inhaftierte islamische Geistliche Scheich Omar Abderrahman. Mehrere seiner Komplizen wurden zu hohen Haftstrafen verurteilt.

Einige der schwersten Anschläge auf US-Einrichtungen wurden in den letzten Jahren dem mutmaßlichen Terrordrahtzieher Osama bin Laden zur Last gelegt. Der in Afghanistan lebende saudi-arabischen Millionär gilt als Drahtzieher unter anderem von zwei schweren Anschlägen auf die US- Botschaften in Nairobi und Daressalam im Jahr 1998, bei denen 224 Menschen ums Leben kamen.







Quellen: Stern.de, Focus.de, SHADOWare.de
Letzte Änderung: 11.09.2001
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